Anlässlich unseres 50-jährigen Jubiläums im September 2012 haben wir uns an die Anfänge der Gemeinde erinnert und durch Recherchen und Interviews eine spannende Gründungshistorie neu entdeckt.



Die Geschichte unserer Gemeinde reicht bis in die 1920er Jahre zurück. Allerdings handelte es sich damals noch um einen Zweig der Hamburger Elim Gemeinde, aus dem 1962 die Gemeinde Gottes in Kiel entstand.

Der damalige Bundesvorsteher Lambert DeLong gründete sie zusammen mit Pastor Dieter Knospe, in den Räumlichkeiten eines Schulgebäudes. Lambert DeLong war als gebürtiger Amerikaner zu diesem Zeitpunkt bereits elf Jahre lang als Missionar in Deutschland tätig. Bis 1978 wurde die Gemeinde durch die Geschwister Frank geleitet und danach von Karl-Ludwig "Charlie" Herrmann für die folgenden zehn Jahre übernommen. Charlie hatte es während der ersten drei Jahre nicht gerade leicht, war doch die Gemeinde recht instabil und klein. Leidenschaftlich suchte er Gott mit Fasten und Gebet. Sein Gebet war, "Herr, schenke mir einen Mann aus der Szene."

Sein Gebet blieb nicht unbeantwortet. Durch den Dienst unseres lieben Bruders Michael Bloedorn und den Gebeten Charlies bekehrte sich 1981 Henning Hösch, stadtbekannter Schläger und Trinker. Er gewann Jesus über alles lieb und umarmte schier die ganze Welt. Durch sein Zeugnis bekehrten sich dutzende Menschen, überwiegend aus der Szene. In den Gottesdiensten saßen ältere, gutbürgerliche Geschwister und plötzlich viele Punks, Rocker, Zuhälter, Prostituierte, aber auch Studenten, Lehrer und Polizisten. Häufig bekehrten sich straffällige Personen, die sich selbst anzeigten.

Es kamen Obdachlose zum Glauben, deren Leben innerhalb von einem oder zwei Jahren so stabil wurde, dass sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung wieder nachkommen und zudem christliches Zeugnis geben konnten. Sie fanden Wohnung und Arbeit. In nur zwei Jahren wuchs die Gemeinde von zwei Dutzend auf nahezu 100 Personen heran. Die darauffolgenden Jahre, bis 1996, verhalf Dieter Kurz, als ehemaliger EBS-Student1 und Praktikant, der Gemeinde zu weiterem Wachstum und Stabilität. Danach wurde die Gemeinde von Martin Hacker übernommen - einem Rocker, der sich bereits 1982 bekehrte, gleich nach Henning Hösch. Er arbeitete in einer christlichen Motorrad-Mission2 und gewann durch seinen Dienst besonders die jüngere Generation für Jesus - sowohl innerhalb der Szene, als auch außerhalb. Mit ihm erlebte die Gemeinde ihre stärkste Zeit (um 2000 herum). Seit 2003 leitet Christian Tomm die Gemeinde und prägt im Besonderen drei Schwerpunkte und Ziele:

1. Gemeinde der Wertschätzung

Wir glauben an eine herzliche und förderliche Gemeinschaft als neutestamentliche Christen in der Gemeinde (Röm. 12, 10; 2.Kor. 13, 11-13; Gal. 6, 1-2; Phi. 2, 1-5).

2. Gemeinde des Wachstums

Wir glauben, dass ein neues Leben durch die Erlösung Jesu Christi erst Auftakt eines lebenslangen Jüngerschaftsprozesses ist. Die Jünger Jesu warteten nicht auf die endliche Erlösung, sondern ließen sich für den Dienst in Gemeinde und Gesellschaft zurüsten. Hierfür steht die neutestamentliche Gemeinde. Im Kieler Leuchtturm lassen sich nahezu alle Freunde in Hauszellen, Arbeitskreise usw. einbinden. Im alltäglichen Allerlei des Lebens reflektieren wir wertschätzend unser und das Leben ganz allgemein im Licht des Wortes Gottes, der Bibel. Diese gegenseitige Förderung lässt Menschen reifen und fähig werden gemeinschaftlichen wie persönlichen Herausforderungen und Widrigkeiten des Lebens und der Gemeinde zu begegnen (Mat. 28, 18-20; Apg. 1, 8; Eph. 4, 11-16).

3. Gemeinde unter Gemeinden (in Kiel)

Wenn das neutestamentliche Wort für Christen „einer achte den anderen höher als sich selbst" (Röm. 12, 10) zählt, muss das auch für die vielen unterschiedlichen Gemeinden und Kirchen in einer Stadt gelten, sofern sie eine neutestamentliche Ausrichtung haben. Dies möchten wir im Kieler Leuchtturm prägen und leben.
Das häufig implizite Gemeindeverständnis „wir seien ein Tick besser wie die anderen" lehnen wir entschieden ab. Kieler Leuchtturm ist Gemeinde mit nennenswerten Stärken, aber ohne Zweifel mit Unvollkommenheiten. Wir freuen uns über viele Gemeindefreundschaften und dem reichen Gemeindepotpourri der Stadt Kiel.

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1 Damals noch EBS (Europäische Bibel-Schule), heute ETS (Europäisches Theologisches Seminar)

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